
|
 |
| Ein Blick auf die Entwicklung des durchschnittlichen Strompreises in Deutschland in den letzten elf Jahren zeigt, dass der Strom trotz der Deregulierung, die 1999 gestartet wurde, bis 2007 um mehr als 31% teurer geworden ist. Die auf Basis der EU-Vorgaben in Deutschland 1999 beschlossene und umgesetzte Teilregulierung hat in der Tat eine Senkung des Strompreises bewirkt - was ökologisch gesehen eigentlich gar nicht gut ist, weil bei deutlich gesunkenen Energiekosten die Effizienzbemühungen von Herstellern und Verbrauchern zusammen mit der Aufmerksamkeit schnell erlahmen. Aber nur ein Jahr später begannen die Preise wieder zu steigen, natürlich auch zurückzuführen auf die Verabschiedung der Gesetze zur Kraft-Wärme-Kopplung, zu den Erneuerbaren Energien und zur Energiesteuer. |
 |
| Was wird in der Zukunft zu erwarten sein? Die Jahre 2007/2008 waren durch eine Vielzahl von widersprüchlichen Meldungen geprägt. Am Anfang von 2007 haben einige große Versorger bereits in lancierten Pressemeldungen Stimmung in Richtung steigender Strompreise gemacht. Dies wurde im Laufe 2007 und 2008 durch einige aus publizistischer Sicht überraschende Aussagen („Strom ist eigentlich zu billig“) noch verstärkt. Wenn dann der aufmerksame Leser die Bilanzberichte der entsprechenden Unternehmen studiert hat, dann kann man sich nicht direkt der Erkenntnis verschließen, dass die hohen Gewinne der großen Energieversorger auch aus dem sehr lukrativen Stromgeschäft herausgezogen wurden. |
| Dennoch, umweltpolitisch gesehen ist ein niedriger Strompreis gar nicht hilfreich, um über einen geringeren Verbrauch die Schadstoffemissionen zu reduzieren. Allerdings sagt man dem Produkt Strom nach, dass der Energieverbrauch nicht sehr preissensibel reagiert. Auch steigende oder fallende Preise ändern das aktuelle Verbrauchsverhalten nur sehr wenig. Es sei denn, ein bestimmter Schwellwert wird überschritten, den allerdings niemand so genau kennt.
Für die Zukunft ist aber weiterhin mit steigenden Preisen zu rechnen. Aber bitte beachten: jedem von uns sollte der Unterschied zwischen Energiepreisen und den Kosten für uns klar sein. Die Kosten werden auch ganz wesentlich vom Verbrauch bestimmt. Sinkt dieser, dann müssen die Kosten nicht mit den Preisen steigen! |
Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird weitergehen und sogar forciert werden.
Das ist zu begrüßen, weil dies unsere Energieversorgung unabhängiger, sicherer und umweltfreundlicher machen wird. Es werden heimische Rohstoffe benutzt, auch die fast die komplette Wertschöpfung findet in Deutschland statt, und zwar ziemlich in der Nähe dort, wo auch der Strom verbraucht wird. Allerdings kostet das Geld und wird weiterhin in den Strompreis eingepreist werden. Dieser Anteil wird mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien steigen. Die geplanten Offshore-Windanlagen in der Nordsee erfordern höhere Anfangsinvestitionen und bergen aufgrund der rauhen Seeumgebung ein höheres Betreiberrisiko, daher ist die |
|
| zugesagte Förderung auch über einen längeren Zeitraum konstant und sinkt nicht wie bei den anderen erneuerbaren Energien mit der Zeit (pro Kraftwerk bleibt die Förderung prinzipiell für in der Regel 20 Jahre konstant, die Höhe dieser garantierten Vergütung hängt aber vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme ab. Je später eine Anlage in Betrieb genommen wird, desto niedriger ist die garantierte Vergütung). |
Das Transportnetz muß erneuert und erweitert werden.
Erneuerungen scheinen, aufgrund von Materialschwächen in den verwendeten Stahlbetonmischungen zunehmend nötiger zu werden. Andernfalls können die Netzbetreiber unter Umständen die begrüßenswert hohe Versorgungssicherheit in Deutschland nicht mehr aufrecht erhalten.
Erweiterungen sind in erheblichen Maße nötig, um die Stromkontingente der geplanten Offshore-Windanlagen von Norddeutschland in andere Verbrauchsregionen zu transportieren. Die heute installierten Kapazitäten im Netz reichen dazu nicht aus. Dies ist ausführlich in der Netzstudie der Deutschen Energieagentur in 2005 analysiert worden. Dort kam man zu den Ergebnis, dass der geplante Ausbau regenerativer Energiegewinnung in Deutschland (bis 2020 mindestens 20% Anteil durch erneuerbare Energien) eine Verstärkung des bestehenden Verbundnetzes auf einer Länge von ca. 400 km sowie den Bau neuer Verbundnetztrassen auf einer Länge von 850 km nötig machen.
Erweiterungen werden aber auch aufgrund der von der Europäischen Kommission geförderten und geforderten Öffnung der nationalen Strommärkte notwendig werden, damit beispielsweise Frankreich seinen billig atomar erzeugten Strom in andere europäische Länder exportieren kann. Und wir können davon ausgehen, dass der Einfluß von Frankreich auf die europäischen Gremien sehr groß ist.
Und hinzu kommt, dass zumindest einige der großen Transportnetzbetreiber sehr laut darüber nachdenken, ihr Transportnetz an eine eigene Netzgesellschaft abzutreten, in der auch der Staat eine erhebliche Rolle spielen wird. Hier wird sicherlich in naher Zukunft eine Menge passieren. |
Es werden neue Kraftwerkskapazitäten errichtet werden.
In Deutschland erreichen in den nächsten zehn bis 15 Jahren etwa ein Drittel der Erzeugungskapazitäten ihr technisches Lebensalter und sind auszutauschen. Nachdem die vorhandenen Kapazitäten nahezu oder bereits völlig abgeschrieben sind (wie z.B. die meisten Kernreaktoren), ist damit zu rechnen, dass die Neuinvestitionen sich auch im Strompreis wiederfinden werden. |
Deutschland steigt aus der nuklearen Stromerzeugung aus.
Der beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie erfordert ebenfalls Alternativen durch neue Kraftwerke (oder geringeren Verbrauch). Sicherlich wird einiges der heute verfügbaren Kapazitäten durch sinnvolle Effizienzmaßnahmen und Ausbau an erneuerbaren Energien ersetzt werden können. Aber absehbar ist, dass das nicht reichen wird. Es werden wohl auch andere Kraftwerke gebaut werden müssen.
Eine Endlagerung für radioaktive Abfälle muß umgesetzt werden.
Die Endlagerung der vorhandenen radioaktiven Abfälle muß endlich durchgeführt werden, was mit erheblichen Kosten verbunden sein wird. Diese Kosten sind heute nur zum Teil in Rückstellungen der Erzeuger vorhanden und müssen letztendlich von den Verbrauchern (oder Steuerzahlern) getragen werden.
Das gilt natürlich auch für die heute noch im Vergleich niedrigen Stromtarife in Frankreich, wo ja bekanntlich etwa 80% des Stromes nuklear erzeugt wird. Aber auch in Frankreich ist das Problem der Endlagerung völlig ungelöst. |

|
Die Anzahl der ausgegebenen, z.T. versteigerten CO2-Emissionszertifikate wird stetig reduziert und erhöht den Vermeidungsdruck.
Als eines der wirksamsten Vehikel zur wirtschaftlichen CO2-Emissionsreduktion wurde der CO2-Emissionszertifikatehandel ins Leben gerufen. In einer ersten Handelsperiode von 2005 bis 2008 wurde jährlich eine sich jährlich reduzierte Charge an CO2-Zertifikaten ausgegeben. Ein Zertifikat verbrieft für seinen Besitzer das Recht, in dem entsprechenden Jahr eine Tonne Kohlendioxid in die Atmosphäre ausblasen zu dürfen. Die in den ersten beiden Jahren ausgegebenen Zertifikatsmengen waren aber leider in fast allen beteiligten europäischen Ländern zu hoch, so dass mehr Zertifikate am Markt vorhanden waren, als benötigt wurden. Dies drückt üblicherweise die zu zahlenden Preise.
|

|
Denn das ist der Clou mit den Zertifikaten: sie können auch verkauft werden, und zwar am besten an jemanden, der zum einen bereit ist, dafür Geld zu bezahlen, und der andererseits nur mit höheren Kosten die gleiche Tonne Kohlendioxid vermeiden könnte (durch geringere Produktion oder durch entsprechenden technologische Maßnahmen).
In der nächsten Handelsperiode wird der Umfang der Erlaubnis, zu emittieren, also die Anzahl der im Markt befindlichen Zertifikate geringer sein, als die augenblicklichen Emissionsmengen. Somit steigt der Druck, zu handeln bzw. Emissionen zu vermeiden. |
| Das kostet Geld und wird in die Erzeugungskosten einfließen. Derzeit geht man von einem Preis pro Zertifikat von 20 bis 30 Euro aus. Bei dem derzeitigen Mix in Deutschland mit etwas unter 0,6 kg CO2-Emissionen pro erzeugter kWh (Endenergie) würde das einen Preisaufschlag von etwa 2,30 Cent inklusive der Gewinnspanne des Erzeugers ausmachen, das sind mehr als 10% im Kilowattstundenpreis. |
Effizienzsteigernde Maßnahmen werden flächendeckend die wünschenswerte Aufmerksamkeit erhalten.
Die ökologisch am sinnvollsten einzusetzende Energieerzeugung ist der Nicht-Verbrauch (Nega-Watt). In eigentlich allen Nutzenergiebereichen kann der Einsatz der Primärenergie um teilweise bis zu 80% reduziert werden, ohne dass der Nutzen dabei auf der Strecke bleibt. Das ist nicht leicht umzusetzen, und es gibt auch nicht die eine große Maßnahme dazu. Aber wir sind mal optimistisch und gehen von einer beschleunigten Energieproduktivitätsverbesserung in Deutschland in den nächsten zwanzig Jahren aus.
Dies hat natürlich Konsequenzen auf den Stromverbrauch. Bislang ist er unbegrenzt gestiegen, in den letzten sieben Jahren um 9% nur in den Haushalten. Die Bundesregierung ist aber daran interessiert, dies umzukehren. Höhere Energieproduktivität heißt ja, dass wir mehr Nutzen aus einer Kilowattstunde ziehen, also energieeffizienter leben. Und das wird bedeuten, dass der Stromverbrauch sinken wird. Die Folge: die Fixkosten der vorhandenen Infrastruktur in Erzeugung und Transport teilen sich auf weniger Kilowattstunden auf, die spezifischen Kostenanteile pro Kilowattstunde werden also steigen. Natürlich sinken unsere Gesamtkosten, wenn wir weniger Strom verbrauchen.
Außerdem wird derzeit das Modell eines Effizienzfonds diskutiert, in den alle Stromverbraucher durch ihren Bezug von Kilowattstunden einzahlen sollen, also wieder pro Kilowattstunde einen bestimmten Obolus. Das Geld, das so eingesammelt würde, soll dann ein Effizienzfondsverwalter benutzen können, um Effizienzverbesserungsprogramme zu finanzieren, Werbeaktionen durchzuführen und Födermaßnahmen für die Entwicklung und Umsetzung von Effizienzmaßnahmen anzustoßen. |
 |
Stromkunden werden häufiger den Stromlieferanten wechseln.
Seit dem Beginn der Liberalisierung im Strommarkt in 1998 besteht für Haushaltskunden prinzipiell die Möglichkeit, den Stromanbieter zu wechseln. In den ersten Jahren ist diese Möglichkeit von den Kunden nur sehr zögerlich angenommen wurden, obwohl gleich |
zu Beginn des Liberalisierungsprozesses neue Anbieter auf dem Markt in Erscheinung traten. Offensichtlich waren Gewohnheiten zu stark, der Druck sich nach einem preiswerteren Angebot umzuschauen zu schwach und die Bedeutung des Strompreises zu gering. Dies hat sich durch die Vielzahl von Preisankündigungen und Preiserhöhungen für manche Anbieter schmerzhaft in 2007 und 2008 geändert. Zugleich riefen Verbraucherverbände in ganz gezielten Aktionen zu einem Wechsel des Stromanbieters auf, um vom Markt her Druck auf die etablierten Anbieter zu legen.
Dies wird vermutlich für eine gewisse Zeit zu einer nicht mehr so stark ausgeprägten Treue der Kunden zu ihrem Lieferanten führen.
Die „Geiz ist geil“ Welle ebbt zwar langsam ab und Qualität setzt sich wieder durch. Dennoch ist mit einer erhöhten Wechselbereitschaft vieler Haushalte zu rechnen, gerade auch in Richtung einer nachhaltigeren Stromversorgung mit grünen Strom.
Durch diese erhöhten Fluktuationsraten und die dadurch nicht mehr sicheren Stromabnehmer im eigenen Kundenkreis werden sich neue Preisgleichgewichte einstellen. Vermutlich wird es einen Preisdruck nach unten geben, was den anderen Effekten zumindest entgegensteuern sollte. |
| Die Beschaffungskosten für die benutzten Primärenergieträger spielen übrigens eine eher marginale Rolle. Steinkohle ist im Moment nicht besonders teuer, die Kosten von Braunkohle entwickeln sich moderat, ähnlich wie die offizielle Inflationsrate, die Rohstoffkosten von Uran tauchen in der Gesamtkostenbetrachtung eigentlich nur unter ferner liefen auf (das wird für die Endlagerungskosten nicht so zutreffen, auch nicht für die Entsorgung der Nuklearanlagen, wie man bereits beim ehemaligen Kernkraftwerk Obrigheim sehen konnte). |
 |
Allein der Preis von Gas, der an den Erdölpreis gekoppelt ist, galoppiert wesentlich schneller. Der Anteil von Gas als Primärenergieträger für die Stromversorgung beträgt aber in 2007 nur etwas mehr als 10%, das relativiert den Galopp wieder ein wenig zu einem lockeren Traben. |
| Tipp!: Preise sind nicht gleich Kosten, das wissen wir. Was also tun? Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten für jeden von uns, den steigenden Kosten Herr zu werden. Zum Einen natürlich die Suche nach dem billigsten Anbieter. In den Zeiten der Dynamik wird es möglich sein, immer billigere Anbieter zu finden. Allerdings ist dieser Zeitraum begrenzt. Irgendwann gleichen sich alle Preise, siehe DSL-Angebote heutzutage. Also bleibt nur noch, den Verbrauch zu reduzieren: effizientere Geräte einsetzen, Verhaltensweisen ändern, nachdenkender vorgehen. |
Geben Sie einfach Ihre Postleitzahl ein und erfahren Sie Ihren
günstigen Yello Preis.
| |